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Segensbriefe

Segensbrief der ev.-luth. Kirchen im Auetal, Hattendorf und KaRohagen

Liebe Mitmenschen im Auetal!

Herzlich willkommen zu den Segensbriefen hier bei uns.

Ihnen und Euch wünschen wir einen gesegneten Sonntag und gute Gedanken bei der Lektüre

Herzliche Grüße

Ihr und Euer Robert Dierking


am Sonntag Jubilate, dem 25. April 2021

Liebe Mitmenschen!

Die Natur entpuppt sich, die Knospen gehen auf, die Blätter entfalten sich, das wunderschöne zarte Grün erfreut Augen und Seele.

Ihnen, Dir und uns allen wünsche ich einen gesegneten und fröhlichen Sonntag. Heute ist schließlich Jubilate…und danken und loben zieht nach oben. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gute und liebe Menschen um sie rum oder im Bewußtsein und grüße herzlich

 

Ihr und Euer Robert Dierking

Freundschaft trägt...

 

Unser Vorschlag zur Einstimmung: Suchen Sie sich ein schönes Plätzchen, stellen für sich eine Blume hin und zünden eine Kerze an. Und wenn Sie mögen, suchen Sie sich ein wenig Musik. Und wenn die Vorbereitungen abgeschlossen sind, dann kann es losgehen...

Einstimmung

Die Strahlen des Osterlichtes leuchten ganz hell. An allen Ecken und Enden kommt frisches Grün empor, die Frühblüher leuchten uns mit ihren Farben entgegen. Wir lassen die Sonne in unsere Gesichter scheinen und genießen die Wärme, die guttut. Wir feiern in Gottes Namen. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gebet

Guter Gott, ich danke dir für die Ruhe der Nacht und für das Licht des neuen Morgens. Nach der Dunkelheit der Nacht zeigt es uns, dass bei dir immer wieder etwas Neues beginnt. Das macht mich froh. Amen

Lesung (Lukas 5, 17-26)

Einmal in den Tagen, als Jesus lehrte, kamen viele Menschen nach Kapernaum. Sie wollten Jesus sehen und ihm nah sein. Die Kraft des Herrn war mit Jesus, sodass er Kranke heilte. In dieser Stadt lebte ein Mann, der war krank und konnte nicht laufen. Er wollte auch gerne zu Jesus. Was sollte er machen? Sein einziger Reichtum waren vier Freunde, die ihn regelmäßig besuch

ten. Als die Freunde von dem Wunsch hörten, legen sie den Mann in ein Tragetuch. Sie wollten ihn in das Haus bringen und vor Jesus niederlegen. Aber wegen der Volksmenge fanden sie keine Möglichkeit, ihn hineinzutragen. Deshalb stiegen sie auf das Dach und deckten Ziegel ab. Dann ließen sie den Gelähmten an Seilen auf der Trage herab, mitten in den Raum, genau vor Jesus. Jesus sah, wie groß ihr Glaube war, und sagte: „Der Glaube deiner Freunde hat dich zu mir gebracht. Was du Böses getan hast, soll dich nicht mehr von Gott trennen! Du sollst von deiner Schuld frei sein. Steh auf, nimm deine Trage und geh nach Hause.« Sofort stand er auf vor ihren Augen. Er nahm seine Trage, auf der er gelegen hatte, und ging nach Hause. Dabei lobte er Gott. Alle Anwesenden gerieten außer sich. Auch sie lobten Gott. Furcht erfüllte sie, und sie sagten: »Was für unglaubliche Dinge haben wir heute gesehen!«

Impuls

Das ist eine schöne Geschichtebei Lukas. In der spüren wir deutlich, wie stark Freundschaft sein kann. Wäre es für die vier Freunde nicht viel einfacher gewesen ohne ihren gelähmten Freund zu Jesus zu kommen. Sie hätten versuchen können, sich in dem Gedränge selber nach vorne durchzuschieben. Sie hätten gute Chancen gehabt. So stark wie sie waren. Aber sie haben sich mit ihrem Freund abgeschleppt. Sie haben eine Trage gebaut und als Hindernisse kamen, sind sie auf Umwegen über das Dach ans Ziel gekommen. Mit einem Seil hätten sie es nicht geschafft. Alle vier waren nötig, um ihren Freund abzuseilen.

Auch wir merken in diesen Tagen, wenn wir alleine nicht weiterkommen, dass es gut ist in der Familie, wenn alle an einem Strang ziehen und wir uns gegenseitig unterstützen. Das kann auf ganz unterschiedliche Weise geschehen. Mal ist der eine ganz müde und geschafft von der vielen Arbeit und den Aufgaben, die zu erledigen sind. Da freut man sich über eine unterstützende Hand, die einem überraschend hilft. An anderen Tagen fehlt der Antrieb, sich zu etwas aufzuraffen und da ist es gut, wenn einer sagt: „Komm zieh die Jacke an, wir gehen jetzt raus an die frische Luft!“ Oder man sitzt vor einer schwierigen Aufgabe und kommt nicht auf die Lösung, und dann setzt sich jemand dazu und hat eine neue Idee und schon ist die Lösung da. Diese Unterstützung tut gut, nicht nur in der Familie auch unter Freunden. Aber gerade jetzt ist es schwer, in Kontakt zu bleiben. Mit wem fühle ich mich sehr verbunden? Ein Mensch, der mir viel bedeutet, aber den ich vielleicht schon länger nicht mehr gesprochen habe. Oder ein Freund oder eine Freundin, die ich schon länger nicht mehr gesehen habe, weil Reisen und Besuche zurzeit nicht so einfach möglich sind. In Verbindung bleiben. Das war auch die Herausforderung für die Jüngerinnen und Jünger nach Ostern. Jesus war nicht mehr bei Ihnen in der Art und Weise, wie sie ihn gekannt und geliebt hatten. Sie machten sich auf in alle Himmelsrichtungen und erzählten von ihren Erfahrungen mit Jesus. In ihrem Inneren fühlten sie sich untereinander verbunden. Ihr Glaube war wie ein starkes Band, mit dem sie sich miteinander verwoben hatten. Dieser Glaube trug sie in guten wie schweren Zeiten. Ich wünsche uns auch, dass wir uns mit unseren Gemeinschaftserfahrungen und Glaubensgeschichten miteinander verbinden. Dass diese Verbindungen uns Kraft und Zuversicht geben und uns durch die schweren Tage tragen, die wir auch in den nächsten Wochen und Monaten mit Sicherheit noch erleben werden. Dass uns die Botschaft des Osterfestes aus unserer Lethargie und Verzweiflung hinausführt, uns Lebensmut und neue Perspektiven schenkt.

 

Totengedächntnis

In letzter Zeit haben wir Abschied nehmen müssen von Martha Tiedke, geb. Albrecht und Waltraud Tielke, geb. Hothan.

Guter Gott, Wir danken Dir für alles, was sie uns gewesen ist. Wir danken Dir für alles, was Du an Segen durch sie in diese Welt gebracht hast.

Wir trauern mit Ihren Angehörigen um ihren Verlust und bitten Dich um Kraft und Trost für sie.

Wir nennen Dir ihren Namen und nehmen Dich beim Wort: Du hast uns eine Heimat in Ewigkeit versprochen, Dich preisen und loben wir dafür.

Fürbitten

Guter Gott, wir wissen wie wichtig Freunde im Leben sind. Lass uns behutsam mit unseren Freunden umgehen und ihr Vertrauen achten und nicht missbrauchen und in lebendiger Verbindung bleiben. Viele Menschen auf dieser Welt leben alleingelassen und ausgegrenzt aus der Gemeinschaft. Sie wissen oft nicht, wie es am nächsten Tag weitergehen soll. Wir bitten dich! Lass sie den Mut nicht verlieren, nach neuen Wegen zu suchen. Stelle ihnen Menschen an die Seite, die sie darin begleiten und unterstützen, ihr Leben zu gestalten.

Und wir beten mit den Worten, die Jesus Christus uns zu beten beibrachte: Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Zum guten Schluss

Freundschaft! Eine unserer großen Sehnsüchte und eine unserer größten Kummerkisten. Denn wenn es kriselt oder sich gar auflöst, dann erschüttert uns das elementar. Doch wir alle wissen, Freundschaften begleiten uns das ganze Leben und bereichern es ungemein. Gerade jetzt in der Pandemie, wo wir auf das Wesentliche beschränkt sind. Müde und genervt vom ewig gleichen Tagesablauf und von einigen Mitmenschen. Und dann, am Abend ein Anruf von einer Freundin, ewig nichts gehört. Aber sofort stellt sich die alte Vertrautheit ein, ein warmes Gefühl steigt auf. Wir beide werden unsere Sorgen nicht los, aber können gemeinsam darüber sprechen. Es plötzlich mit ein bisschen Humor betrachten und uns gegenseitig den Alltag erleichtern. Unverhofft der Glücksmoment des Tages und Kraftquelle für die folgenden Tage. Das ist Freundschaft, alte Liebe, mit das Wertvollste was wir haben! Lassen Sie uns dankbar sein für solche Werte in unserem Dasein und vielleicht mal bei einigen anderen Dingen, die Kirche im Dorf lassen, damit unser aller Leben wieder etwas entspannter wird. Wer möchte, kann diese Woche ein Freundschaftsband knüpfen und währenddessen in Erinnerungen an kostbare Freundschaftsmomente und Kindheitserinnerungen schwelgen.

Bleiben Sie gesund und seien Sie gestärkt im Glauben!


am Palmsonntag, dem 28. März 2021

Liebe Mitmenschen im Auetal!

Ihnen und Euch wünschen wir einen gesegneten Palmsonntag und gute Gedanken bei der Lektüre

Herzliche Grüße

Ihr und Euer Robert Dierking

 

„Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“

Joh 3, 14 und 15

Einstimmung

Es gibt Momente, in denen ist nichts, wie es scheint. Ein fröhliches Gesicht versteckt tiefe Trauer, wer Härte zeigt, kann auch barmherzig sein und hinter einer scheinbar so düsteren Zukunft verbirgt sich eine neue Chance.

Grenzmomente sind das, unsicher und vage. Erst im Nachhinein deute ich die Zeichen richtig. Der Palmsonntag führt in eine solche Grenzzeit hinein: Die Hände, die eben noch Palmzweige schwingen, sind schon zu Fäusten geballt. Das „Hosianna“ wird zum gellenden „Kreuzige“-Ruf, fröhliche Gesichter erstarren zu Fratzen. Und doch ist es Jesu Tod am Kreuz, der den Menschen Leben bringt. Sein Weg ins Dunkel war ein Weg ins Licht, heute bekennen wir das. Im Geschlagenen, im Verachteten war Gott ganz nah. Nur wenige erkannten das – wie die Frau, die den Todgeweihten wie einen König salbte.

Gebet

Gott, ich bitte Dich, sei Du bei mir, wenn ich Hilfe brauche, wenn ich mich allein fühle, wenn ich mit meinem Nachdenken nicht weiterkomme, wenn mir kein Lied einfallen will, das ich singen möchte, dann bitte gib du mir Kraft, Mut und Zuversicht und ich will gerne davon weitergeben. Gott ich bitte dich, sei du bei mir. Amen

Lesung Hebr 11,1-3.12,1-2a

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Durch diesen Glauben haben die Vorfahren Gottes Zeugnis empfangen. Durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort geschaffen ist, sodass alles, was man sieht, aus nichts geworden ist. Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist,und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens,

Impuls

„Ist es noch weit?“ Eltern kleiner Kinder kennen diesen Satz, und wenn er fällt, wissen sie: Von jetzt an wird die Reise anstrengend. Wenn das Kind auf der Rückbank so fragt, hat es keine Lust mehr, weiter zu fahren.

Glücklich, wer dann mit gutem Grund sagen kann: Keine Sorge, wir sind gleich da! Ansonsten ist entweder eine Pause angesagt, oder Ablenkung, oder gutes Zureden. Aber das hilft meistens nicht sehr lange.

Die Menschen, die hier im Hebräerbrief angeredet werden, die fragen auch so: Ist es noch weit? Bis zum Zielunserer Reise? - Manche von ihnen fragen schon gar nicht mehr, die sind schon längst ausgestiegen, weil sie keine Geduld mehr hatten. Ablenkung wäre bei dieser Reise ein völlig falsches Mittel, Konzentration ist angesagt. Eine Pause, so ein kleiner Zwischenstopp, um wieder frisch zu werden, - genau das könnte dieser Brief sein.

Gutes Zureden ist hier jedenfalls angesagt, es braucht eine neue Motivation, um auf dem Weg zu bleiben, um weiterzugehen, dem Ziel entgegen: „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ „Eine feste Zuversicht auf das, was man hofft.“ Selbst dann, wenn der Weg mühsam wird und sich hinzieht. So war das damals nämlich. Der jüngste Tag kam und kam nicht, stattdessen gab es Anfeindungen von außen und Ermüdungserscheinungen im Inneren der Gemeinde.

In einer solchen Situation nicht plötzlich zu denken: Vielleicht ist das Ziel ja nur eine Fata Morgana, eine Luftspiegelung, die mir einen Paradiesgarten vorgaukelt, wo in Wahrheit nur flirrende Hitze und Wüstensand ist. Vielleicht sind wir ja doch nur Märchen und falschen Versprechungen gefolgt. Vielleicht haben ja doch die recht, die immer schon gesagt haben: Das ist alles nicht wahr, das ist zu schön, um wahr zu sein: „Eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ Das ist Glaube, und den gilt es, zu bewahren und zu bewähren. Keine Zweifel aufkommen zu lassen. Obwohl man nichts von dem sieht, was man glaubt: Ist das nicht immer schon so gewesen?

Hat der Glaube es nicht immer schon mit dem Unwahrscheinlichen zu tun gehabt? War er nicht immer schon ein Wagnis? Er soll kein Opfer des Verstandes sein, daran liegt dem Hebräerbrief sehr, aber „in der gläubigen Hinwendung zu Gott wandelt sich das Ungewisse in das Allergewisseste, ja in das einzig Gewisse. Und das, was dem Auge als das Gewisseste erscheint, stellt sich in Wahrheit als das absolut Unzuverlässige dar“, sagt der jüdische Philosoph und Theologe Philo von Alexandria. Damit trifft er ganz gut, worum es hier geht: Nicht das, was vor Augen ist, ist das wirklich Wichtige, sondern gerade das, was dem Auge verborgen ist. Um sie neu zu motivieren, nimmt der Schreiber des Briefes seine Leser zunächst mal mit auf eine lange Reise durch die Bibel.

Fast könnte man an einen Gerichtsprozess denken, in dem ein Zeuge nach dem anderen aufgerufen wird, damit er seine Aussage macht. Er erinnert z.B. an Noah, der angefangen hat, ein Schiff zu bauen. Irgendwo auf einer grünen Wiese. „Weil Gottes es mir gesagt hat“, gibt er zu Protokoll: „Meine Nachbarn haben mich ausgelacht und für verrückt gehalten, aber ich habe mich nicht entmutigen lassen von ihrem Spott. Und am Ende war es genau die richtige Entscheidung –obwohl ich mich manchmal schon selbst gefragt habe, was ich da eigentlich mache.“

Abraham darf in einer solchen Liste von Zeugen nicht fehlen, - natürlich nicht: „Land und Leute habe ich verlassen, weil Gott es mir gesagt hat. Dabei wusste ich nicht mal, wohin die Reise mich führen würde: „Geh in ein Land, das ich dir zeigen werde!“ Mehr wusste ich nicht. Und doch bin ich losgegangen, - ich habe der Verheißung Gottesgeglaubt, obwohl die ja völlig unwahrscheinlich war: Dass ich zu einem großen Volk werden sollte. Viele Nachkommen haben würde, - ich und meine Frau Sara, wir waren doch kinderlos, und inzwischen eigentlich viel zu alt. Aber wenn Gott die Welt aus dem Nichts erschaffen konnte, warum sollte er uns nicht auch im hohen Alter noch Nachkommen schenken können? - Als ich Isaak dann allerdings opfern sollte, - das ist mir doch sehr schwer gefallen. Denn er war ja meine ganze Hoffnung.“

Und so tritt einer nach dem anderen auf: Mose hatte eine lange Geschichte zu erzählen von Glauben und Unglauben, von Ängsten und Bewahrung – und von einem Gott, der unsichtbar war und blieb, und doch Tag und Nacht bei ihnen war. Und von einem Wüstenweg, der nicht enden wollte, und der sie doch eines Tages endlich in das verheißene Land führen sollte. Viele andere treten auf, eine gewaltige Wolke der Zeugen, heute würden wir wohl von Schwarmintelligenz sprechen: Sie alle bezeugen, wie ihr Glaube ihr Leben ausgefüllt und bestimmt hat, wie Gott ihnen Gehorsam zugemutet hat, und dass es Ausdauer brauchte, viel Ausdauer, um ans Ziel zu kommen. Manchmal mehr Ausdauer, als ein einzelnes Leben aufbringen kann. So hat Abraham es nicht mehr erlebt, wie er zu einemgroßen Volk wird. Und Mose selbst hat keinen Fuß ins verheißene Land setzen können, er durfte nur aus der Ferne hineinschauen. Sie alle sind Experten darin geworden, lange Wege mit Gott zu gehen, ohne aufzugeben. Sie alle haben geglaubt, ohne zu sehen und ohne das, worauf sie hofften, erfüllt zu sehen. „Sie haben nicht erlangt, was verheißen war, weil Gott etwas Besseres für uns vorgesehen hat; denn sie sollten nicht ohne uns vollendet werden.“ So sieht der Hebräerbrief die Geschichte Gottes mit den Menschen: Als eine Kette von Verheißungen, eine Wolke von Menschen, die sich mit Gott auf den Weg gemacht haben, - manches von dem, was sie erhoffen, ist auch in Erfüllung gegangen, - und doch ist das große Ziel für sie unerreicht geblieben, - um unsertwillen, meint der unbekannte Verfasser sogar, denn „sie sollten nicht ohne uns vollendet werden.“ Erst musste Christus in die Welt kommen, „denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm, in Christus, das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zum Lobe.“

Oder etwa nicht? Genau an dem Punkt standen die Christen damals offenbar. Das fröhliche „Amen“ will ihnen nicht über die Lippenkommen. Sie sind müde geworden, das große Zielscheint ihnen plötzlich gar nicht mehr so attraktiv. Reicht es nicht, wenn ich hier in dieser Welt im Frieden mit meinen Nachbarn lebe und die Tage genieße, die Gott mir schenkt? Ist der Spatz in der Hand nicht allemal besser als die Taube auf dem Dach? Aber nein, hält der Hebräerbrief ihnen entgegen: „Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist.“

Werft doch nicht weg, wonach sie alle, die Wolke der Zeugen, vergeblich sich gesehnt haben, sondern: „Lasst uns aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande geringachtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.“ Wir sind teuer erkauft, und wir haben ein großartiges Ziel vor Augen: Leben in Gottes Herrlichkeit.

An der Auferstehung des Jesus Christus wird für die Augen der Gläubigen heute sichtbar, was für die Wolke der Zeugen einst noch unsichtbar war, nämlich das Reich Gottes, der endgültige Sieg über den Tod.

Und die Wolke der Zeugen, das sind nicht nur die, die uns vorausgegangen sind, sondern auch die, die mit uns jetzt unterwegs sind.

Zusammen sind wir das wandernde Gottesvolk, miteinander auf dem Weg zu ihm, Jesus Christus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens. Darum: „Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, damit ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.“

Amen.

Totengedächntnis

In letzter Zeit haben wir Abschied nehmen müssen von Lieselotte Wilkening, geb. Pietsch, Ulrich Odloschinski und Elfi Tessmer, geb. Löhken.

Guter Gott, Wir danken Dir für alles, was sie uns gewesen sind. Wir danken Dir für alles, was Du an Segen durch sie in diese Welt gebracht hast.

Wir trauern mit Ihren Angehörigen um ihren Verlust und bitten Dich um Kraft und Trost für sie.

Wir nennen Dir ihre Namen und nehmen Dich beim Wort: Du hast uns eine Heimat in Ewigkeit versprochen, Dich preisen und loben wir dafür.

Fürbittengebet

Jesus Christus, du hättest vor Schmerzen und Tod fliehen können. Aber du hast dich für uns entschieden. Du kommst zu uns, aber wir haben keine Palmzweige.
Unsere Hände sind leer. Wir halten dir nur unsere Bitten hin.

Wir bitten dich für unsere Kinder. Wir halten dir ihre Ängste und ihre Verzweiflung hin.
Wir halten dir ihre Müdigkeit und ihre Sehnsucht hin. Wir bitten dich für die Kinder, die hungern, geschlagen und versklavt werden. Wir halten dir ihre Schmerzen hin. Jesus Christus,
auch du warst ein Kind. Komm und erbarme dich.

Wir bitten dich für die Menschen, deren Entscheidungen über das Leben vieler bestimmen. Wir halten dir ihre Ratlosigkeit hin. Wir halten dir ihre Überforderung hin. Wir bitten dich für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, für alle, die ihre Kräfte für andere hergeben. Wir halten dir ihren Dienst und ihre Hingabe hin. Jesus Christus, auch du hattest Geduld mit denen, die dir vertrauen. Komm und erbarme dich.

Wir bitten dich für die Menschen, die am Glauben festhalten. Wir bitten dich für unsere jüdischen Geschwister, die heute mit dem Passafest beginnen. Wir bitten dich für deine weltweite Kirche, für alle, die in diesen Tagen dein Leiden bedenken und deine Nähe suchen. Wir halten dir den Glauben deiner Gemeinde hin. Wir haben keine Palmzweige. Wir haben nur unsere Hoffnung. Wir haben unser Lob. Auch in diesem Jahr loben wir dich mit unseren Gebeten, mit unserem Hören, mit unserem Sorgen und unserer Liebe. Jesus, du bist der Anfänger und Vollender unseres Glaubens. Du hast dich für uns entschieden. Komm und erbarme dich – Heute und morgen und an jedem neuen Tag.
Amen.

Segen

Gott segne Dich und behüte Dich. Gott lasse leuchten sein Angesicht über Dir und sei Dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf Dich und gebe Dir Frieden. Amen

Zum guten Schluss

Am Palmsonntag wurden und werden traditionell Zweige in der Kirche verteilt, um an Jesu „glorreichen“ Einzug in Jerusalem zu erinnern.

Erinnern können uns diese Woche ganz besonders die aufbrechenden Knospen an den Zweigen: an die wichtigste Botschaft zur Osterzeit: Gottes Liebe ist nicht totzukriegen! In diesem Sinne, lohnt sich heute und in der Karwoche ein Gang durch unsere wunderbare uns umgebende Schöpfung.

Darüber hinaus bleiben Sie gesund und seien Sie gestärkt im Glauben!

Ein paar Hinweise zum Osterfest:

Wie wir genau feiern können und was wir gemeinsam auf die Beine stellen, stand zu Redaktionsschluss dieses Segensbriefes noch nicht exakt fest.

Aber folgendes geht in jedem Falle:

An Gründonnerstag:

Wer sich einen Segensbrief mit Andacht zum Tischabendmahl samt „Lecker-Schmecker-Paket“, also einem kleinen Gedeck zum Tischabendmahl liefern lassen möchte, gebe bis zum 29.03 Bescheid bei Angelika Held (05753 92058) für das westliche Auetal und Gabriele Hohmeier (05752 92057) für das östliche Auetal.

Um 18 Uhr gibt es eine zoom-Andacht. Völlig Corona-Regel conform können alle teilnehmen (dazu benötigt wird die zoom App auf Smartphone oder Computer):

Wer den Link erhalten möchte schreibe bitte eine Mail oder Whatsapp an P. Robert Dierking: robert.dierking(at)gmail.com // 0176-64624855

Die Osteraktion für alle Kinder im Auetal:

Das Team der hol(l)idays hat sich wieder etwas ausgedacht: Wer bis zum 30.03.2021 eine Mail mit Namen, Alter und Adresse, bitte mit Ortsteil/Dorf an robert.dierking(at)gmail.com schreibt, erhält am Ostersonntag eine Osterüberraschung nach Hause geliefert. Wo diese allerdings genau im Eingangsbereich liegt, weiß nur der „Osterhase“ – ein Suchspaß für die ganze Familie.

am Palmsonntag, dem 28. März 2021


am Sonntag Invocavit, dem 21. Februar 2021

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. (1. Joh 3,8b).

 

Einstimmung Die Passionszeit beginnt. Auch diesmal kann diese Zeit dazu beitragen, dass wir mehr Weite in unserem Leben entdecken und Enge hinter uns lassen. Dazu laden wir Sie und euch herzlich ein. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gebet Gott, Du bist wie Vater und Mutter. Du weißt, wie mein Leben gelingen kann. Lehre mich ,in der Stille Deiner Gegenwart das Geheimnis zu verstehen, das ich bin durch dich und vor dir und für dich. Hilf mir loszulassen, was mich hindert, Dir zu begegnen und mich von Dir bewegen zu lassen. Hilf mir zuzulassen, was in mir Mensch werden will nach dem Bild, das Du Dir von mir gemacht hast. Richte meinen Sinn auf Dich aus. Amen.

Lesung (Psalm 34)Ich will den HERRN loben alle Zeit, sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen. Preiset mit mir den HERRN und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen! Da ich den HERRN suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht. Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden. Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten. Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus. Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet! Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen! Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel. Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.

Impuls Wir stehen am Beginn der Fastenzeit. Sieben Wochen lang gehen wir auf Karfreitag und Ostern zu. Die Tage werden langsam heller. Die Fastenzeit ist eine Zeit der Einkehr und der Vorbereitung. Sie ist in diesem Sinn auch eine Zeit der Buße. Buße –ein altehrwürdiges Wort. Im aktiven Sprachschatz unseres Alltags kommt es eher selten vor. Ob es vermisst wird? –ich weiß es nicht. Buße es ist das erste Wort, das im Markusevangelium aus Jesu Mund kommt: „Tut Buße!“ Denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Was meint dieses Wort? „Tut Buße“ bedeutet so viel wie: „kehrt um“, „ändert euren Sinn“. Mit dem Ruf zur Umkehr beginnt Jesu Wirken. Der christliche Glaube ist ein Glaube der Sinnesänderung. Es geht nicht um äußerliche Buß- und Verzichtsübungen. Es geht darum, mich selbst zu prüfen, ob meine Ausrichtung stimmt, ob ich mit meinem Leben auf dem richtigen Weg bin. Deshalb hat Luther auch in der ersten seiner 95 Thesen formuliert: „Als unser Herr und Meister Jesus Christus sagte: ‚Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen‘, wollte er, dass das ganze Leben der Glaubenden Buße sei. “Merkwürdig, dass dieses eigentlich so wichtige Wort –Buße –nur noch so selten vorkommt.

Vielleicht ist Ihnen die folgende Szene vertraut: Zwei Kinder streiten sich um einen Ball. Ich nenne sie einmal Mia und Hannah. Mia setzt sich schließlich mit einem schmerzhaften Tritt gegen das Schienbein von Hannah durch. Mia, den Ball in ihren Händen haltend, will schon triumphieren, da erscheint ihr Vater und weist sie zurecht. Sie solle sich jetzt gefälligst bei Hannah entschuldigen und ihr die Hand geben. Missmutig streckt Mia die Hand aus, guckt sonst wo hin und murmelt dabei ein nur Eingeweihten Verständliches: „Tschuldigung.“ Von der schluchzenden Hannah, die noch immer ihr Schienbein hält, wird erwartet, dass damit auch für sie die Sache erledigt ist. „So, nun seid mal wieder Freunde.“

Mia und Hannah werden gezwungen ein Entschuldigungsritual zu vollziehen, ohne dass sie dem innerlich auch nur im Geringsten zustimmen. Mia tut es nicht wirklich leid. Und auch für Hannah ist die Sache noch längst nicht gegessen. Und was diese kleine Szene noch offenbart: ein ganz merkwürdiges Verständnis von Entschuldigung .Es wird nämlich erwartet, dass Mia sich  entschuldigt. Nur: das geht nicht. Niemand kann sich selbstentschuldigen. Ich kann die Person, der gegenüber ich schuldig geworden bin, nur darum bitten, dass sie mir die Schuld erlässt, also sie mich entschuldigt. Aber mich selbstentschuldigen, das kann ich nicht. Achten Sie mal darauf. Das ist nicht nur ein Phänomen, das Kinder betrifft. Die meisten sagen: „Ich entschuldige mich“ oder werfen gar nur ein „Sorry“ hin. „Dumm gelaufen“. Pech halt –aber Schuld? Wir leben in einer Kultur der Selbst-Entschuldigung. Wenn ich einen Wunsch zur Fastenzeit frei hätte, so würde ich mir nicht die Rückkehr des Wortes Buße in den allgemeinen Sprachgebrauch wünschen. Das wäre wohl zu viel verlangt. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann würde ich mir ein einfaches, aber ehrliches „Ich bitte um Entschuldigung“ wünschen. Soviel Sinnesänderung wäre wirklich schön. Aber wo soll man da anfangen? Ach ja, am Besten bei mir selbst.

Amen

Lied: Wenn Sie mögen singen Sie: Meine Hoffnung und meine Freude

Fürbitten, Totengedenken und Vaterunser

In letzter Zeit haben wir Abschied nehmen müssen von Lina Pätzel, geb. Gruppe, Christa Steinsiek, geb. Schiller  und Ulrich Schmidt.

Guter Gott, Wir danken Dir für alles, was sie uns gewesen sind. Wir danken Dir für alles, was Du an Segen durch sie in diese Welt gebracht hast.

Wir trauern mit Ihren Angehörigen um ihren Verlust und bitten Dich um Kraft und Trost für sie.

Wir nennen Dir ihre Namen und nehmen Dich beim Wort: Du hast uns eine Heimat in Ewigkeit versprochen, Dich preisen und loben wir dafür.

Guter Gott, vor uns liegt eine Zeit der Einkehr. Du rufst uns zur Umkehr. In der Stille halten wir Dir hin, was uns auf unseren Herzen liegt. Stille

Bei allem, was uns bewegt, bitten wir Dich: Hilf Aushalten.

Hilf beim Vermissen. Hilf Mitleiden, bitte. Für die ohne Wohnung. Für die auf den Pflegestationen. Für die Trauernden. Für alles, was jetzt fehlt. Du kennst den Schmerz. Du bist da. Wir sind da. Das reicht.

Gemeinsam beten wir: Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name….Amen.

Segen Gesegnet sei deine Morgenröte - gesegnet die Stunde am Abend - dazwischen mögest du all deine Sinne dem Tagwerk widmen. Gelassen und heiteren Gelingens.

Zum guten Schluss Sieben Wochen dauert die Passionszeit. Und wir würden Ihnen gerne sieben Wochen mit Bewusstsein vorschlagen. Schreiben Sie jeden Tag eine Kleinigkeit auf, die ihnen gut getan hat in ihrem Alltag und sammeln Sie diese Zettel in einem Glas. Am Ende der sieben Wochen kommt dann der große Moment, wo ihnen vielleicht wieder klar wird, dass auch Kleinigkeiten das Leben lebenswert machen. Die einfachen Dinge. So dass wir trotz der ganzen sozialen Einschränkungen auch glücklich sein können.

Bleiben Sie gesund und seien Sie gestärkt im Glauben!


am Sonntag Estomihi und dem Valentinstag, dem 14. Februar 2021

Gebet Wir kommen zu dir, Gott, und bringen mit, was unser Herz erfüllt, Gutes und Schönes, Schweres und Belastendes. Wir bringen es mit und legen es in deine Hände. Wandle es in Segen für uns und die Menschen, denen wir begegnen. Lass uns heute dein Wort hören und hilf, dass es uns verwandelt. Lass uns deine Stimme vernehmen, dass wir verstehen, was du von uns erwartest. Ja, Gott, lass uns deine Liebe erkennen. Sie ist Mensch geworden in Jesus Christus, deinem Sohn. Er ist unser Herr und Bruder. Amen

Impuls

In meiner Vorbereitung habe ich diese Predigt gelesen und fand sie so gut, daß ich sie Ihnen an diesem Sonntag als Impuls zur Verfügung stelle:

Paul Kluge lässt den heiligen Valentin sprechen: ''Was ich mir zu meinem Tag wünsche? Bleibt Maulwürfe! Gehorcht Gott mehr als den Menschen. Gebt der Menschlichkeit den Vorrang vor geltendem Recht, der Liebe vor gesellschaftlicher Ordnung.''

14. Februar – Valentinstag. Wer einem Menschen ein Zeichen seiner Liebe geben will, nimmt diesen Tag zum Anlass, schenkt ein paar Blumen oder sonst eine Kleinigkeit als solch ein Zeichen. Im Alltagstrott wird so etwas ja leicht vergessen, und da ist es gut, daran erinnert zu werden: Gib denen, die du liebst, ein Zeichen deiner Liebe.

Der 14. Februar erinnert an einen Valentin, der im 3. Jahrhundert nach Christus vermutlich Bischof von Terni war, einer Stadt in Mittelitalien.

Von diesem Valentin wird erzählt, er habe häufig heimliche Trauungen vorgenommen. Dieser Valentin nämlich gab der Liebe den Vorrang vor gesellschaftlicher Ordnung, der Menschlichkeit vor geltendem Recht. Wie ein Maulwurf im Rasen hat er sich benommen. Deshalb wurde er schließlich angezeigt und hingerichtet – ein fairer Prozess war das nicht. Und dieser Valentin wurde zum Schutzpatron der Liebenden.

Ob seine Hinrichtung an einem 14. Februar geschah, ist unsicher. Diese Jahreszeit aber ist gut geeignet, dieses Valentin zu gedenken: Die Nachweihnachtszeit ist zu Ende. An Weihnachten haben wir uns erinnert, dass mit Jesus von Nazareth Licht in die dunkle, Wärme in die kalte Welt gekommen ist. Das ist – mit einem Lied gesagt – wie eine Rose „mitten im kalten Winter.“

So werden auch die Liebespaare empfunden haben, die Valentin heimlich traute. Ähnlich wird wohl jeder Mensch empfinden, dem Zeichen von Licht und Wärme in einer dunklen, kalten Welt begegnen, kleine Zeichen der großen Liebe Gottes.

Damit, dass er heimliche Trauungen vornahm, handelte Valentin gegen geltende Ordnungen und gesellschaftliche Normen. Er tat es um der Menschen Willen. Die Bibel gibt uns eben andere Maßstäbe an die Hand als manche von Menschen gemachten Ordnungen. Wo diese Ordnungen Menschen in ihren Rechten beschneiden, ist es Aufgabe von Christen und Kirchen, solche Ordnungen zu stören wie Maulwürfe im Rasen und aufzudecken, was unter der Oberfläche ist – zum Ärger der Ordnungs- und Moralhüter, aber zum Wohl der Menschen.

Ich lasse nun Valentin zu Wort kommen; die Worte habe ich ihm in den Mund gelegt:

„Die Leute erzählen viel über mich, und ich lasse sie reden. Ist ja ganz amüsant, was die sich alles so ausdenken. Sicher ist bei mir nur, dass ich im 3. Jahrhundert nach Christus im damaligen römischen Reich gelebt habe. Bischof von Terni bin ich gewesen, eine unbedeutende Stadt in Mittelitalien. Die hieß damals Interamna. Heute hätte ich wohl die Stelle eines Superintendenten oder Propstes. So weit die Fakten. Was sonst über mich erzählt wird, ist Legende. Aber auch an Legenden ist viel Wahres. Nicht, dass das Erzählte passiert wäre, sondern fromme Legenden sind Predigten. Sie erzählen Glaubenswahrheiten. Und da ist es nicht so wichtig, ob das tatsächlich passiert ist.

Also: Ich soll immer heimlich Liebespaare getraut haben. Denn damals durften viele Menschen nicht so heiraten, wie sie wollten - sei es, dass sie Sklaven oder Soldaten waren, sei es, dass Eltern mit der Wahl ihrer Kinder nicht einverstanden waren. Nun ja, es gab ein paar solcher Trauungen, und manche Paare sind sogar zusammen geblieben. Das war schon damals schwer. Ansonsten habe ich nicht gern getraut. Da wird man zum Zeremonienmeister, die Frauen begucken das Brautkleid, die Männer dessen Ausschnitt, und das Brautpaar hört sowieso nicht zu. Es gab Aufgaben, die ich lieber gemacht habe. Trauernde zu begleiten, ist eine dankbarere Aufgabe. Armen zu helfen auch.

Das war es denn auch schon, was mein irdisches Leben angeht. Vor meinem Tod, so sagt man, konnte ich durch ein Wunder die blinde Tochter meines Gefängniswärters sehend machen. Nun ja, ich habe ihr die Augen geöffnet, das stimmt, aber im übertragenen Sinn: Ich habe sie für den christlichen Glauben gewinnen können. Aber das gemeine Volk hat es lieber handfest und nimmt es gern wörtlich, als dass es über den eigentlichen Sinn nachdenkt. Mit den Wundern Jesu machen sie es genau so. Schade, es geht ihnen so vieles verloren.

Sehr angesehen und beliebt soll ich gewesen sein. Das stimmt, doch dafür kann ich nichts. Ich habe nur getan, was ich konnte. Den Menschen gezeigt, dass sie mir wichtig sind und Gott sie liebt.

Eines Tages bestellte der römische Kaiser Claudius mich ein, um mit mir zu diskutieren. Was ich ihm zu sagen hatte, hat ihm nicht gerade gefallen. Als „Maulwurf“ hat er mich beschimpft. Im Anschluss an die Diskussion ließ er mich dann inhaftieren und bald darauf von seinem Scharfrichter einen Kopf kürzer machen. Dabei hatte ich nur gesagt, dass Gott allein Herr der Welt ist und sonst keiner, auch kein Kaiser von Rom. Und das ist ja wohl richtig und gut so.

Die ganze Sache war natürlich ziemlich unangenehm für mich. Ich hätte wohl besser auf meine Mutter gehört. Die hat mir oft geraten: "Valli, sage nicht alles, was du weißt, aber wisse immer, was du sagst!" Doch diesem Claudius, der sich für einen Gott hielt und auch so verehren ließ, musste ich einfach sagen, was ich über ihn dachte.

Kaum war der Kopf ab, wurde ich schon heilig gesprochen. Seitdem gelte ich als Schutzpatron der Bienenzüchter und als Helfer gegen Ohnmacht. Die in Ohnmacht Gefallenen haben mich bisher noch nicht angerufen, die Bienenzüchter melden sich öfter mal. Warum ich für die zuständig sein soll, weiß ich selber nicht mehr – vielleicht war die Stelle gerade frei, als ich heilig gesprochen wurde.

Meine hauptsächliche Aufgabe ist jedoch Liebespaare zusammen zu bringen. Dazu bin ich eigentlich eher zufällig gekommen. Mein Todestag fiel mit einem beliebten römischen Fest zusammen. Bei diesem Fest durften die ledigen jungen Männer Lose ziehen, auf denen die Namen von ledigen Mädchen standen (Gleichberechtigung im heutigen Sinne gab es damals noch nicht). Die so zusammengelosten Pärchen zogen dann gemeinsam um die Häuser, und bei so machen hat es gefunkt.

So populär wie vor 1800 Jahren dieses Fest in Rom war, so populär wurde mein Namenstag im alten England und später besonders in Amerika. Dort werden bis heute noch gelegentlich solche Lose gezogen, bei manchen Partys z. B. Meistens aber macht man es nicht mehr so umständlich und schaltet den Zufall der Verlosung aus. Man schreibt lieber seiner oder seinem Angebeteten direkt. Früher schrieb man Briefe, heute E-Mails oder SMS.

Da die Mitteleuropäer sowieso alles nachmachen, was aus Amerika kommt, wird der Valentinstag seit etwa 25, 30 Jahren auch in Europa begangen. Blumenhändler, Konfiserien und auch Schmuckgeschäfte freuen sich und bewerben den Tag kräftig. Sie machen gute Umsätze mit meinem Namen. Ich mag das gar nicht.

Aber gerade heute, in dieser kontaktarmen Zeit, wäre doch so eine Liebeslotterie wie im alten Rom gar nicht schlecht, was meinen Sie?

Es ist schon manchmal witzig, welche seltsamen Bräuche sich um meinen Namenstag entwickelt haben. So geht folgendes Gerücht herum (das übrigens nicht ich in die Welt gesetzt habe): Derjenige, den ein Mädchen am Valentinstag als ersten sieht, soll ihr Zukünftiger werden. So hat wohl ein Zeitungsbote die besten Chancen, wenn nicht gerade Sonntag ist...

Andererseits sagte man auch, derjenige würde der Zukünftige, von dem das Mädchen in der Nacht geträumt hat. Was ein Mädel machen soll, wenn es nachts von Hans träumt und am nächsten Morgen als erstes den Franz sieht, kann ich nicht sagen. Ist ja auch egal, und wer an so etwas glaubt, ist selber schuld.

Ach ja, die Sache mit dem Maulwurf will ich noch erklären: Als Christen lebten wir damals halbwegs im Untergrund. Der Staat mochte uns nicht besonders, weil wir etwas aufmüpfig waren; wir verweigerten seinen Beamten den geforderten Gehorsam. Das kommt dabei heraus, wenn man Gott mehr gehorcht als den Menschen. Und wir haben andere Menschen zu solchem Ungehorsam angeregt. Das geschah natürlich im Verborgenen. Nur die Folgen wurden ab und zu sichtbar, wenn z. B. ein Soldat wie Mauritius einen Befehl verweigerte oder Philemon seinen Sklaven Onesimus wie einen Bruder behandelte. Das waren dann so Maulwurfshügel, die unsere Untergrundarbeit sichtbar machten, und die römischen Beamten haben sich ziemlich aufgeregt. Haben sich immer neue Gesetze gegen uns ausgedacht, doch gut zweihundert Jahre später hatten wir den römischen Rasen umgepflügt. Das war unter dem Kaiser Konstantin.

Dass das auch heute noch geht, habe ich 1989 in der damaligen DDR gesehen: Kleine christliche Grüppchen, die der Staat kaum ernst nahm, wuchsen zu einer Massenbewegung, und schon war der Unrechtsstaat futsch. Da waren Maulwürfe am Werk. Die haben die glatte Oberfläche einfach aufgebrochen, haben sich von staatlichen Gesetzen und Ordnungen und von Staatsbeamten einfach nicht einschüchtern lassen. Waren subversiv tätig, und das war nach geltendem Recht strafbar.

Was ich mir zu meinem Tag wünsche? Bleibt Maulwürfe! Gehorcht Gott mehr als den Menschen. Gebt der Menschlichkeit den Vorrang vor geltendem Recht, der Liebe vor gesellschaftlicher Ordnung.

Grade ruft ein Bienenzüchter mich an, ich soll seine Völker vor Frost schützen. Ich werde ihm raten, sie doch einfach warm einzupacken, das wird er ja wohl selber können. Also, macht’s gut und denkt öfter mal an mich, nicht nur heute.“

Amen
 

Pfr. i.R. Paul Kluge, Detmold

 

Gebet und Vaterunser

Gott,
neige Deine Ohren zu mir, bitte. Sei mir ein starker Fels und eine Burg.
Sonst geht es nicht. Nicht im Schnee und nicht in der Kälte. Nicht in der Quarantäne und nicht in der zu vollen Wohnung. Neige Deine Ohren und sei mir Fels und lass mich atmen.

Gott,
wir sind in Klausur. Schon so lange. Hilf beim Vermissen Die Nerven sind abgewetzt, wartemüde, hoffnungsscheu. Wie lange noch? Hilf Mitleiden, bitte. Für die ohne Wohnung.
Für die auf den Pflegestationen. Für alles, was ausfällt. Für das Lokal an der Ecke.

Gott,
Sei mein Fels und meine Burg. Meine Stärke. Danke, dass ich liebe, koche und bete.
Hilf Grenzen hinzunehmen, bitte. Erlös uns, dann irgendwann.
Und zeig mir: wer ist wichtig? Ohne wen komme ich nicht durch diese Zeit?
Wer lacht, wenn ich lache? Auch nachts und am Telefon? Geh mit, Gott, bitte.
Komm einfach mit.

Vater Unser im Himmel….

…und dieEwigkeit.

Amen

Segen In unseren Herzen und Häusern sei Gottes Segen. In unserem Kommen und Gehen sei Gottes Frieden. In unserem Leben und Glauben sei Gottes Liebe. So segne uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist

Zum guten Schluss Einen Engel wünschen sich viele Menschen gegenseitig. Der Spruch: „Fahr nie schneller als Dein Schutzengel fliegen kann“, wird gern zur bestandenen Fahrprüfung als Karte versandt. Wie wäre es diese Woche, einmal selbst einen „Schneeengel“ zu erstellen? Rückwärts in den Schnee legen, dann Beine und Arme gestreckt bewegen, Stichwort: Hampelmann, möglichst mit wenigen Fußtritt aus dem so entstandenen Abdruck wieder rausklettern, Photo machen, an jemand liebes senden, ein paar nette Zeilen als Valentinstagsgruß dazu, fertig.


Segensbriefe

Segensbrief der ev.-luth. Kirchen im Auetal, Hattendorf und KaRohagen

Liebe Mitmenschen im Auetal!

Herzlich willkommen zum vierten Segensbrief hier bei uns.

Ihnen und Euch wünschen wir einen gesegneten Sonntag und gute Gedanken bei der Lektüre

Herzliche Grüße

Ihr und Euer Robert Dierking

 

Unser Vorschlag zur Einstimmung: Suchen Sie sich ein schönes Plätzchen, stellen für sich eine Blume hin und zünden eine Kerze an. Und wenn Sie mögen, suchen Sie sich ein wenig Musik. Und wenn die Vorbereitungen abgeschlossen sind, dann kann es losgehen...

 

Gebet Wir kommen zu dir, Gott, und bringen mit, was unser Herz erfüllt, Gutes und Schönes, Schweres und Belastendes. Wir bringen es mit und legen es in deine Hände. Wandle es in Segen für uns und die Menschen, denen wir begegnen. Lass uns heute dein Wort hören und hilf, dass es uns verwandelt. Lass uns deine Stimme vernehmen, dass wir verstehen, was du von uns erwartest. Ja, Gott, lass uns deine Liebe erkennen. Sie ist Mensch geworden in Jesus Christus, deinem Sohn. Er ist unser Herr und Bruder. Amen

 

Impuls

In meiner Vorbereitung habe ich diese Predigt gelesen und fand sie so gut, daß ich sie Ihnen an diesem Sonntag als Impuls zur Verfügung stelle:

Paul Kluge lässt den heiligen Valentin sprechen: ''Was ich mir zu meinem Tag wünsche? Bleibt Maulwürfe! Gehorcht Gott mehr als den Menschen. Gebt der Menschlichkeit den Vorrang vor geltendem Recht, der Liebe vor gesellschaftlicher Ordnung.''

14. Februar – Valentinstag. Wer einem Menschen ein Zeichen seiner Liebe geben will, nimmt diesen Tag zum Anlass, schenkt ein paar Blumen oder sonst eine Kleinigkeit als solch ein Zeichen. Im Alltagstrott wird so etwas ja leicht vergessen, und da ist es gut, daran erinnert zu werden: Gib denen, die du liebst, ein Zeichen deiner Liebe.

Der 14. Februar erinnert an einen Valentin, der im 3. Jahrhundert nach Christus vermutlich Bischof von Terni war, einer Stadt in Mittelitalien.

Von diesem Valentin wird erzählt, er habe häufig heimliche Trauungen vorgenommen. Dieser Valentin nämlich gab der Liebe den Vorrang vor gesellschaftlicher Ordnung, der Menschlichkeit vor geltendem Recht. Wie ein Maulwurf im Rasen hat er sich benommen. Deshalb wurde er schließlich angezeigt und hingerichtet – ein fairer Prozess war das nicht. Und dieser Valentin wurde zum Schutzpatron der Liebenden.

Ob seine Hinrichtung an einem 14. Februar geschah, ist unsicher. Diese Jahreszeit aber ist gut geeignet, dieses Valentin zu gedenken: Die Nachweihnachtszeit ist zu Ende. An Weihnachten haben wir uns erinnert, dass mit Jesus von Nazareth Licht in die dunkle, Wärme in die kalte Welt gekommen ist. Das ist – mit einem Lied gesagt – wie eine Rose „mitten im kalten Winter.“

So werden auch die Liebespaare empfunden haben, die Valentin heimlich traute. Ähnlich wird wohl jeder Mensch empfinden, dem Zeichen von Licht und Wärme in einer dunklen, kalten Welt begegnen, kleine Zeichen der großen Liebe Gottes.

Damit, dass er heimliche Trauungen vornahm, handelte Valentin gegen geltende Ordnungen und gesellschaftliche Normen. Er tat es um der Menschen Willen. Die Bibel gibt uns eben andere Maßstäbe an die Hand als manche von Menschen gemachten Ordnungen. Wo diese Ordnungen Menschen in ihren Rechten beschneiden, ist es Aufgabe von Christen und Kirchen, solche Ordnungen zu stören wie Maulwürfe im Rasen und aufzudecken, was unter der Oberfläche ist – zum Ärger der Ordnungs- und Moralhüter, aber zum Wohl der Menschen.

Ich lasse nun Valentin zu Wort kommen; die Worte habe ich ihm in den Mund gelegt:

„Die Leute erzählen viel über mich, und ich lasse sie reden. Ist ja ganz amüsant, was die sich alles so ausdenken. Sicher ist bei mir nur, dass ich im 3. Jahrhundert nach Christus im damaligen römischen Reich gelebt habe. Bischof von Terni bin ich gewesen, eine unbedeutende Stadt in Mittelitalien. Die hieß damals Interamna. Heute hätte ich wohl die Stelle eines Superintendenten oder Propstes. So weit die Fakten. Was sonst über mich erzählt wird, ist Legende. Aber auch an Legenden ist viel Wahres. Nicht, dass das Erzählte passiert wäre, sondern fromme Legenden sind Predigten. Sie erzählen Glaubenswahrheiten. Und da ist es nicht so wichtig, ob das tatsächlich passiert ist.

Also: Ich soll immer heimlich Liebespaare getraut haben. Denn damals durften viele Menschen nicht so heiraten, wie sie wollten - sei es, dass sie Sklaven oder Soldaten waren, sei es, dass Eltern mit der Wahl ihrer Kinder nicht einverstanden waren. Nun ja, es gab ein paar solcher Trauungen, und manche Paare sind sogar zusammen geblieben. Das war schon damals schwer. Ansonsten habe ich nicht gern getraut. Da wird man zum Zeremonienmeister, die Frauen begucken das Brautkleid, die Männer dessen Ausschnitt, und das Brautpaar hört sowieso nicht zu. Es gab Aufgaben, die ich lieber gemacht habe. Trauernde zu begleiten, ist eine dankbarere Aufgabe. Armen zu helfen auch.

Das war es denn auch schon, was mein irdisches Leben angeht. Vor meinem Tod, so sagt man, konnte ich durch ein Wunder die blinde Tochter meines Gefängniswärters sehend machen. Nun ja, ich habe ihr die Augen geöffnet, das stimmt, aber im übertragenen Sinn: Ich habe sie für den christlichen Glauben gewinnen können. Aber das gemeine Volk hat es lieber handfest und nimmt es gern wörtlich, als dass es über den eigentlichen Sinn nachdenkt. Mit den Wundern Jesu machen sie es genau so. Schade, es geht ihnen so vieles verloren.

Sehr angesehen und beliebt soll ich gewesen sein. Das stimmt, doch dafür kann ich nichts. Ich habe nur getan, was ich konnte. Den Menschen gezeigt, dass sie mir wichtig sind und Gott sie liebt.

Eines Tages bestellte der römische Kaiser Claudius mich ein, um mit mir zu diskutieren. Was ich ihm zu sagen hatte, hat ihm nicht gerade gefallen. Als „Maulwurf“ hat er mich beschimpft. Im Anschluss an die Diskussion ließ er mich dann inhaftieren und bald darauf von seinem Scharfrichter einen Kopf kürzer machen. Dabei hatte ich nur gesagt, dass Gott allein Herr der Welt ist und sonst keiner, auch kein Kaiser von Rom. Und das ist ja wohl richtig und gut so.

Die ganze Sache war natürlich ziemlich unangenehm für mich. Ich hätte wohl besser auf meine Mutter gehört. Die hat mir oft geraten: "Valli, sage nicht alles, was du weißt, aber wisse immer, was du sagst!" Doch diesem Claudius, der sich für einen Gott hielt und auch so verehren ließ, musste ich einfach sagen, was ich über ihn dachte.

Kaum war der Kopf ab, wurde ich schon heilig gesprochen. Seitdem gelte ich als Schutzpatron der Bienenzüchter und als Helfer gegen Ohnmacht. Die in Ohnmacht Gefallenen haben mich bisher noch nicht angerufen, die Bienenzüchter melden sich öfter mal. Warum ich für die zuständig sein soll, weiß ich selber nicht mehr – vielleicht war die Stelle gerade frei, als ich heilig gesprochen wurde.

Meine hauptsächliche Aufgabe ist jedoch Liebespaare zusammen zu bringen. Dazu bin ich eigentlich eher zufällig gekommen. Mein Todestag fiel mit einem beliebten römischen Fest zusammen. Bei diesem Fest durften die ledigen jungen Männer Lose ziehen, auf denen die Namen von ledigen Mädchen standen (Gleichberechtigung im heutigen Sinne gab es damals noch nicht). Die so zusammengelosten Pärchen zogen dann gemeinsam um die Häuser, und bei so machen hat es gefunkt.

So populär wie vor 1800 Jahren dieses Fest in Rom war, so populär wurde mein Namenstag im alten England und später besonders in Amerika. Dort werden bis heute noch gelegentlich solche Lose gezogen, bei manchen Partys z. B. Meistens aber macht man es nicht mehr so umständlich und schaltet den Zufall der Verlosung aus. Man schreibt lieber seiner oder seinem Angebeteten direkt. Früher schrieb man Briefe, heute E-Mails oder SMS.

Da die Mitteleuropäer sowieso alles nachmachen, was aus Amerika kommt, wird der Valentinstag seit etwa 25, 30 Jahren auch in Europa begangen. Blumenhändler, Konfiserien und auch Schmuckgeschäfte freuen sich und bewerben den Tag kräftig. Sie machen gute Umsätze mit meinem Namen. Ich mag das gar nicht.

Aber gerade heute, in dieser kontaktarmen Zeit, wäre doch so eine Liebeslotterie wie im alten Rom gar nicht schlecht, was meinen Sie?

Es ist schon manchmal witzig, welche seltsamen Bräuche sich um meinen Namenstag entwickelt haben. So geht folgendes Gerücht herum (das übrigens nicht ich in die Welt gesetzt habe): Derjenige, den ein Mädchen am Valentinstag als ersten sieht, soll ihr Zukünftiger werden. So hat wohl ein Zeitungsbote die besten Chancen, wenn nicht gerade Sonntag ist...

Andererseits sagte man auch, derjenige würde der Zukünftige, von dem das Mädchen in der Nacht geträumt hat. Was ein Mädel machen soll, wenn es nachts von Hans träumt und am nächsten Morgen als erstes den Franz sieht, kann ich nicht sagen. Ist ja auch egal, und wer an so etwas glaubt, ist selber schuld.

Ach ja, die Sache mit dem Maulwurf will ich noch erklären: Als Christen lebten wir damals halbwegs im Untergrund. Der Staat mochte uns nicht besonders, weil wir etwas aufmüpfig waren; wir verweigerten seinen Beamten den geforderten Gehorsam. Das kommt dabei heraus, wenn man Gott mehr gehorcht als den Menschen. Und wir haben andere Menschen zu solchem Ungehorsam angeregt. Das geschah natürlich im Verborgenen. Nur die Folgen wurden ab und zu sichtbar, wenn z. B. ein Soldat wie Mauritius einen Befehl verweigerte oder Philemon seinen Sklaven Onesimus wie einen Bruder behandelte. Das waren dann so Maulwurfshügel, die unsere Untergrundarbeit sichtbar machten, und die römischen Beamten haben sich ziemlich aufgeregt. Haben sich immer neue Gesetze gegen uns ausgedacht, doch gut zweihundert Jahre später hatten wir den römischen Rasen umgepflügt. Das war unter dem Kaiser Konstantin.

Dass das auch heute noch geht, habe ich 1989 in der damaligen DDR gesehen: Kleine christliche Grüppchen, die der Staat kaum ernst nahm, wuchsen zu einer Massenbewegung, und schon war der Unrechtsstaat futsch. Da waren Maulwürfe am Werk. Die haben die glatte Oberfläche einfach aufgebrochen, haben sich von staatlichen Gesetzen und Ordnungen und von Staatsbeamten einfach nicht einschüchtern lassen. Waren subversiv tätig, und das war nach geltendem Recht strafbar.

Was ich mir zu meinem Tag wünsche? Bleibt Maulwürfe! Gehorcht Gott mehr als den Menschen. Gebt der Menschlichkeit den Vorrang vor geltendem Recht, der Liebe vor gesellschaftlicher Ordnung.

Grade ruft ein Bienenzüchter mich an, ich soll seine Völker vor Frost schützen. Ich werde ihm raten, sie doch einfach warm einzupacken, das wird er ja wohl selber können. Also, macht’s gut und denkt öfter mal an mich, nicht nur heute.“

Amen
 

Pfr. i.R. Paul Kluge, Detmold

 

Gebet und Vaterunser

Gott,
neige Deine Ohren zu mir, bitte. Sei mir ein starker Fels und eine Burg.
Sonst geht es nicht. Nicht im Schnee und nicht in der Kälte. Nicht in der Quarantäne und nicht in der zu vollen Wohnung. Neige Deine Ohren und sei mir Fels und lass mich atmen.

Gott,
wir sind in Klausur. Schon so lange. Hilf beim Vermissen Die Nerven sind abgewetzt, wartemüde, hoffnungsscheu. Wie lange noch? Hilf Mitleiden, bitte. Für die ohne Wohnung.
Für die auf den Pflegestationen. Für alles, was ausfällt. Für das Lokal an der Ecke.

Gott,
Sei mein Fels und meine Burg. Meine Stärke. Danke, dass ich liebe, koche und bete.
Hilf Grenzen hinzunehmen, bitte. Erlös uns, dann irgendwann.
Und zeig mir: wer ist wichtig? Ohne wen komme ich nicht durch diese Zeit?
Wer lacht, wenn ich lache? Auch nachts und am Telefon? Geh mit, Gott, bitte.
Komm einfach mit.

Vater Unser im Himmel….

…und dieEwigkeit.

Amen

 

Segen In unseren Herzen und Häusern sei Gottes Segen. In unserem Kommen und Gehen sei Gottes Frieden. In unserem Leben und Glauben sei Gottes Liebe. So segne uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist

 

Zum guten Schluss Einen Engel wünschen sich viele Menschen gegenseitig. Der Spruch: „Fahr nie schneller als Dein Schutzengel fliegen kann“, wird gern zur bestandenen Fahrprüfung als Karte versandt. Wie wäre es diese Woche, einmal selbst einen „Schneeengel“ zu erstellen? Rückwärts in den Schnee legen, dann Beine und Arme gestreckt bewegen, Stichwort: Hampelmann, möglichst mit wenigen Fußtritt aus dem so entstandenen Abdruck wieder rausklettern, Photo machen, an jemand liebes senden, ein paar nette Zeilen als Valentinstagsgruß dazu, fertig.